"Zum Sonntag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor.
Sonntag, 31.8.2025 - 22. Sonntag im Jahreskreis - C
1Jesus kam an einem Sabbat
in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen.
Da beobachtete man ihn genau.
7Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten,
erzählte er ihnen ein Gleichnis.
Er sagte zu ihnen:
8Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist,
nimm nicht den Ehrenplatz ein!
Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein,
der vornehmer ist als du,
9und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat,
kommen
und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz!
Du aber wärst beschämt
und müsstest den untersten Platz einnehmen.
10Vielmehr, wenn du eingeladen bist,
geh hin und nimm den untersten Platz ein,
damit dein Gastgeber zu dir kommt
und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf!
Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
11Denn wer sich selbst erhöht,
wird erniedrigt,
und wer sich selbst erniedrigt,
wird erhöht werden.
12Dann sagte er zu dem Gastgeber:
Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst,
lade nicht deine Freunde oder deine Brüder,
deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein;
sonst laden auch sie dich wieder ein
und dir ist es vergolten.
13Nein, wenn du ein Essen gibst,
dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
14Du wirst selig sein,
denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten;
es wird dir vergolten werden
bei der Auferstehung der Gerechten.
(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott
Benefizkonzerte für Obdachlose gibt es viele. „Beckmann spielt Cello“ vom Verein „Gemeinsam gegen Kälte“ kennen viele. Weniger häufig werden Obdachlose und Arme selbst zu Konzerten eingeladen. Wo es geschieht, verkehrt sich die Perspektive in mindestens zweifacher Hinsicht: Ich nehme wahr, was dem anderen fehlt – Sehnsucht nach Musik endet ja nicht, wenn ich obdachlos werde oder arm bin. Und ich bin bereit, einen kulturellen Fauxpas zu begehen – indem ich nicht nur die ästhetisch Passenden einlade, sondern die Heruntergekommenen, und die dürfen nicht nur ein paar herüberwehende Töne hören, sondern mitten im Geschehen sein.
Im vergangenen Jahr gab es zum ersten Mal im Vatikan ein solches Konzert: Die ersten Reihen, noch vor Kardinälen und Bischöfen, waren für Obdachlose und Arme reserviert. Das trifft die Botschaft Jesu, die heute vom Evangelisten Lukas verkündet wird. Es geht nicht allein darum, nicht immer den besten Platz für mich selbst zu suchen oder die Rosinen aus jedem Kuchen zu picken (und gegebenenfalls mein Verhalten entsprechend zu verändern). Vielmehr soll ich gewahr werden, dass ich als Gastgeber die Chance habe, Grenzen aufzubrechen. Eine Freundin hat beispielsweise ein gemeinsames Frühstück für Sozialhilfeempfängerinnen und betuchte Frauen organisiert, um sie miteinander ins Gespräch zu bringen. Ähnliches wollen auch Aktionen wie das Berliner Projekt „Über-den-Tellerrand-kochen“, die Flüchtlinge und Beheimatete zu einem Austausch auf Augenhöhe zusammenbringen wollen. Motto: „Rezepte für ein besseres Wir“ (https://ueberdentellerrandkochen.de).
Und wenn ich demnächst ein Essen gebe …
Ida Lamp
(aus: Botschaft heute, Aachen 2016)