Rastplatz (Martin Manigatterer, pfarrbriefservice.de) (c) M. Manigatterer in: Pfarrbriefservice.de

Impuls zum Feiertag

Rastplatz (Martin Manigatterer, pfarrbriefservice.de)
Datum:
Fr. 3. Apr. 2026
Von:
Harald Brouwers, Pastoralreferent

"Zum Feiertag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor. 

Karfreitag, 3.4.2026

 

Evangelium Mt 19, 16b–42

16b Sie übernahmen Jesus.
17Und er selbst trug das Kreuz
und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte,
die auf Hebräisch Gólgota heißt.
18Dort kreuzigten sie ihn
und mit ihm zwei andere,
auf jeder Seite einen,
in der Mitte aber Jesus.
19Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen
und oben am Kreuz befestigen;
die Inschrift lautete:
Jesus von Nazaret,
der König der Juden.
20Diese Tafel lasen viele Juden,
weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde,
nahe bei der Stadt lag.
Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.
21Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus:
Schreib nicht: Der König der Juden,
sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
22 Pilatus antwortete:
Was ich geschrieben habe,
habe ich geschrieben.
23 Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten,
nahmen sie seine Kleider
und machten vier Teile daraus,
für jeden Soldaten einen Teil,
und dazu das Untergewand.
Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben.
24Da sagten sie zueinander:
Wir wollen es nicht zerteilen,
sondern darum losen, wem es gehören soll.
So sollte sich das Schriftwort erfüllen:
Sie verteilten meine Kleider unter sich
und warfen das Los um mein Gewand.
Dies taten die Soldaten.
25Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter
und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas,
und Maria von Mágdala.
26Als Jesus die Mutter sah
und bei ihr den Jünger, den er liebte,
sagte er zur Mutter:
Frau, siehe, dein Sohn!
27 Dann sagte er zu dem Jünger:
Siehe, deine Mutter!
Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

28 Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war,
sagte er, damit sich die Schrift erfüllte:
Mich dürstet.
29 Ein Gefäß voll Essig stand da.
Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig
und hielten ihn an seinen Mund.
30Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er:
Es ist vollbracht!
Und er neigte das Haupt
und übergab den Geist.

31 Weil Rüsttag war
und die Körper während des Sabbats
nicht am Kreuz bleiben sollten
– dieser Sabbat war nämlich ein großer Feiertag –,
baten die Juden Pilatus,
man möge ihnen die Beine zerschlagen
und sie dann abnehmen.
32Also kamen die Soldaten
und zerschlugen dem ersten die Beine,
dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.
33Als sie aber zu Jesus kamen
und sahen, dass er schon tot war,
zerschlugen sie ihm die Beine nicht,
34sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite
und sogleich floss Blut und Wasser heraus.
35Und der es gesehen hat, hat es bezeugt
und sein Zeugnis ist wahr.
Und er weiß, dass er Wahres sagt,
damit auch ihr glaubt.
36Denn das ist geschehen,
damit sich das Schriftwort erfüllte:
Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.
37Und ein anderes Schriftwort sagt:
Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.
38Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu,
aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen.
Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen,
und Pilatus erlaubte es.
Also kam er und nahm den Leichnam ab.
39Es kam auch Nikodémus,
der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte.
Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloë,
etwa hundert Pfund.
40Sie nahmen den Leichnam Jesu
und umwickelten ihn mit Leinenbinden,
zusammen mit den wohlriechenden Salben,
wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.
41An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten
und in dem Garten war ein neues Grab,
in dem noch niemand bestattet worden war.
42Wegen des Rüsttages der Juden
und weil das Grab in der Nähe lag,
setzten sie Jesus dort bei.

(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott)

 

Karfreitag

Ich bin Stiefmutter von vier Kindern. Meine Kinder sind nicht, wie die Bezeichnung ursprünglich besagt, eines Elternteils beraubt worden. Deshalb sagen manche heute auch „Bonusmutter“. (Auch weil das Wort später eine negative Bedeutung bekommen hat. Stiefmütterlich behandeln bedeutet: jemanden vernachlässigen!) Aber ich bin eine Zugabe, wie es sie heute in Patchworkfamilien oft gibt. Eine herausfordernde Aufgabe übrigens!
Ich höre eines der sieben Worte Jesu am-Kreuz: „Siehe Deine Mutter! Siehe Dein Sohn!“ Wie irre ist das denn? Wieder mal kein Blick des leidenden Jesus auf sich selbst: Seht doch mein Elend, meine Not. Jesus stiftet noch im Tod eine neue, eine ungewöhnliche Gemeinschaft. Nicht der Vater oder ein männlicher Verwandter, sondern ein Herzensmensch Jesu, vielleicht auch ein Herzensmensch Marias wird von Jesus als Schutz für seine Mutter eingesetzt. An erster Stelle steht dieser Satz an Johannes: Siehe Deine Mutter. Der Auftrag, die soziale Versorgung zu übernehmen und Maria vor Isolation und Gefährdung zu bewahren. Das Weiterleben der verwaisten Witwe, die sie nach dem Tod Jesu sein wird, soll gesichert sein. In Liebe.
An zweiter Stelle steht der Satz an Maria. Die Liebe der Mutter zum Sohn soll im Weiterleben nach dessen Tod eine neue Richtung finden. Jesus stiftet in seinem Sterben eine neue Gemeinschaft, die nicht von Abstammung geprägt ist.
Ich freue mich an diesem Wort. Ich bin nicht die leibliche Mutter. Aber die Liebe, die mich in diese Beziehungswelt geführt hat, soll auch die Liebe zu den Kindern sein. Ich öffne mein Herz, sie kennenzulernen. Ich übernehme Verantwortung. Mir fehlen oft partnerschaftliche Zeiten. Mir fehlt manches Mal Zeit für mich. Immer wieder kommt Ungeplantes dazwischen. Aber welch ein Wunder, dass es gottgewollt ist, neue Gemeinschaften zu bilden. Weil das gerade dran ist. Weil es dem Leben dient. Sogar in Trauerprozessen.

Ida Lamp

(aus: Botschaft heute, Aachen 2026)