"Zum Sonntag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor.
Donnerstag, 14.5.2026 - Christi Himmelfahrt - A
In jener Zeit
16gingen die elf Jünger nach Galiläa
auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
17Und als sie Jesus sahen,
fielen sie vor ihm nieder,
einige aber hatten Zweifel.
18Da trat Jesus auf sie zu
und sagte zu ihnen:
Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.
19Darum geht
und macht alle Völker zu meinen Jüngern;
tauft sie
auf den Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes
20und lehrt sie,
alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.
Und siehe,
ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott)
Wie anders wäre die Welt geworden, wenn Jesus länger sichtbar in der Welt gelebt hätte. Irgendwie scheint mir die Himmelfahrt viel zu früh stattgefunden zu haben. Er hätte noch so viele wichtige Entscheidungsträger besuchen können. In großen Städten predigen und weitere Anhänger um sich scharen. Niemand hätte ihm mehr Widerstand leisten können. Aus welchem Grund ließ er die kleine Schar von verzweifelten Jüngern und Frauen auf der Erde zurück? Zwar mit einem großen Versprechen von Hilfe aus dem Himmel, aber sonst ohne Schutz gegen die Gefahren der Welt.
Aber vielleicht ist es von Anfang an um die Verantwortung aller Menschen gegangen. Dass wir begrenzte Wesen an Geist und Kraft selbst die Verbreitung seiner Worte übernehmen. Sie nicht bequem auf ihn abwälzen, weil viele Köpfe immer besser sind als einzelne.
Jesu Himmelfahrt als Chance für die Nachfolger, aktiv zu werden. Damals und durch die Jahrhunderte hindurch. Leider konnte er nicht noch einmal sichtbar werden, als sich die Kirchen auf vollkommen falsche Wege des Kampfes gegeneinander begeben hatten. War Jesu Himmelfahrt geplant, um Hilfe senden zu können, die größer war, als er in sichtbarer Form hätte geben können?
Der Zustand der Welt lässt zweifeln, ob die Rechnung wirklich aufgegangen ist. Es ist das Problem aller Religionsstifter, dass ihr Ende schnell zu Konflikten führt. Dass bald die menschlichen Begierden nach Macht, Ansehen oder Reichtum die guten Botschaften übertrumpfen. Daran hätte sich wahrscheinlich auch nichts geändert, wenn Jesus bis heute erkennbar unter uns leben würde. Änderungen gibt es nur, wenn jeder selbst die Botschaft sichtbar macht in der Welt. Das gelingt vielleicht besser, wenn wir uns den Himmel nicht so weit weg von uns vorstellen. Nicht nach oben schauen um ihn zu sehen, sondern nach innen. Ihn nicht in der Vergangenheit suchen, sondern in der Gegenwart.
Nicht auf Jesu Wiederkunft auf Wolken warten, sondern in den Herzen der Menschen auf aller Welt.
Elisabeth Ziegler-Duregger
(aus: Botschaft heute, Aachen 2026)