Rastplatz (Martin Manigatterer, pfarrbriefservice.de) (c) M. Manigatterer in: Pfarrbriefservice.de

Impuls zum Sonntag

Rastplatz (Martin Manigatterer, pfarrbriefservice.de)
Datum:
Sa. 21. Feb. 2026
Von:
Harald Brouwers, Pastoralreferent

"Zum Sonntag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor. 

Sonntag, 22.2.2026 - 1. Fastensonntag - A

 

Evangelium Mt 4, 1-11

In jener Zeit
1wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt;
dort sollte er vom Teufel versucht werden.
2Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte,
hungerte ihn.
3Da trat der Versucher an ihn heran
und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist,
so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
4Er aber antwortete:
In der Schrift heißt es:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
5Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt,
stellte ihn oben auf den Tempel
6und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist,
so stürz dich hinab;
denn es heißt in der Schrift:

Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen,

und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen,
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
7Jesus antwortete ihm:
In der Schrift heißt es auch:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
8Wieder nahm ihn der Teufel mit sich
und führte ihn auf einen sehr hohen Berg;
er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
9und sagte zu ihm:
Das alles will ich dir geben,
wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
10Da sagte Jesus zu ihm:
Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht:
Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten
und ihm allein dienen.
11Darauf ließ der Teufel von ihm ab
und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott

 

Gottes Nähe

Der kleine Junge weint herzzerreißend. Er ist vielleicht vier Jahre alt und steht auf dem Bürgersteig an der Hand der Mutter. Sein kleiner Körper zittert förmlich. Er schreit nicht; er weint einfach. Denn: sein Luftballon ist ihm weggeflogen. Eigentlich hatte er ihn fest in der Hand, wie die Mutter es ihm gesagt hat. Dann aber musste er plötzlich niesen. Die eine Hand hält seine Mutter fest, die andere aber hat er nicht mehr unter Kontrolle. Es schüttelt ihn kurz beim Niesen. Dabei öffnet sich seine Hand mit dem Ballon. Unabsichtlich. Und dann fliegt er davon, der Luftballon. Auf Nimmerwiedersehen. Denkt der Junge. Stimmt aber nicht. Der Ballon fliegt erst eine Hauswand hoch. Der Junge weint und sieht davon nichts mehr. Dann bleibt der Ballon nämlich hängen. An einem Balkon im dritten Stock. Und da steht der liebe Gott und sieht das alles. 
Nein, so natürlich nicht. Da steht ein älterer Mann, der das alles sieht und dem vielleicht auch gerade das Herz bricht. Er beugt sich vorsichtig über die Brüstung seines Balkons und nimmt den Ballon in seine Hand. Dann verschwindet er ins Zimmer hinter ihm. Nach ein paar Minuten aber tritt er unten durch die Haustür auf die Straße. Der Junge wimmert immer noch und sieht nichts. Die Mutter will ihn trösten. Das gelingt ihr nicht. Trost ist aber trotzdem da. Und jetzt sogar direkt hinter ihnen.
Da ist nämlich der Mann aus dem dritten Stock, etwas außer Atem. Der beugt sich ein bisschen herunter zu dem Jungen und gibt ihm den Luftballon. Der Junge kann es kaum glauben. Erst ist er verblüfft und ganz still, mit offenem Mund. Dann aber strahlt plötzlich sein Gesicht. Er sagt nur: ‚Danke‘. Und schaut sich um, wie dieses Wunder wohl geschehen konnte. Es geschieht einfach. Erst ist der Ballon weg; dann ist er wieder da. Weil Gott in der Nähe ist. Und weil ein älterer Mann wohl keine Tränen sehen kann, schon gar keine von Kindern. Der Mann ist aufmerksam. Und wenn Gott nicht selber kommen kann, hat er oft seine Leute. Manchmal schon an der nächsten Ecke. Oder auf einem Balkon.

Michael Becker

(aus: Botschaft heute, Aachen 2025)