Rastplatz (Martin Manigatterer, pfarrbriefservice.de) (c) M. Manigatterer in: Pfarrbriefservice.de

Impuls zum Sonntag

Rastplatz (Martin Manigatterer, pfarrbriefservice.de)
Datum:
Sa. 26. Sept. 2026
Von:
Harald Brouwers, Pastoralreferent

"Zum Sonntag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor. 

Sonntag, 27.9.2026 - 26. Sonntag im Jahreskreis - A

 

Evangelium Mt 21, 28–32

In jener Zeit
sprach Jesus zu den Hohepriestern
und den Ältesten des Volkes:
28Was meint ihr?
Ein Mann hatte zwei Söhne.
Er ging zum ersten
und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!
29Er antwortete: Ich will nicht.
Später aber reute es ihn und er ging hinaus.
30Da wandte er sich an den zweiten
und sagte zu ihm dasselbe.
Dieser antwortete: Ja, Herr –
und ging nicht hin.
31Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?
Sie antworteten: Der erste.
Da sagte Jesus zu ihnen:
Amen, ich sage euch:
Die Zöllner und die Dirnen
gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
32Denn Johannes ist zu euch gekommen
auf dem Weg der Gerechtigkeit
und ihr habt ihm nicht geglaubt;
aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.
Ihr habt es gesehen
und doch habt ihr nicht bereut
und ihm nicht geglaubt.

(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott)

 

Darf der Sohn „Nein“ sagen zur Arbeit im Weinberg?

Für meine Mutter war ein „Nein“ zu einer Anfrage von ihr eine Kündigung der Beziehung. „Ich kann nicht“ war gleichbedeutend mit „Ich will nicht“. Einen Dialog zu führen, abzuwägen, um eine Absprache zu treffen – das war für sie im Umgang mit uns Kindern undenkbar. Und ein einmal ausgesprochenes „Nein“ wäre durch das anschließende Tun nicht mehr zu retten gewesen. Hätte sie selbst Einfluss aufs Tun, hätte sie sich verweigert. „Jetzt brauchst du auch nicht mehr kommen“. Und hätte sie keinen Einfluss gehabt, hätte sie die erfolgte Tat einfach übersehen. Es galt nicht mehr.
Wer also Matthäus liest und hat so einen Hintergrund, der muss sich ziemlich anstrengen zu verstehen. Darf der Sohn „Nein“ sagen zur Arbeit im Weinberg? Ja, darf er. Das „Ja“ wie das „Nein“ des erwachsenen Gegenübers sind angemessen und auch verhandelbar. Wir leben nicht mehr in einem Patriarchat, wo getan wird, was der Herr des Hauses will. Aber man muss sozusagen ICH-DU-WIR abschreiten: Warum sage ich „nein“ oder „ja“? Warum bittet oder fordert der oder die andere etwas von mir? Und: Was könnte das Tun oder Lassen für unser Miteinander bedeuten oder bewirken?
Zur Zeit Jesu haben Menschen gemeint, ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe würde ihnen vor Gott Privilegien verschaffen. (Gibt es heute auch, oder?) Man wusste, mit wem man keinen Umgang zu pflegen hatte, wer von zweifelhaftem Ruf und fürs eigene Ansehen schlecht war. Jesus widersetzt sich diesen Einordnungen. Er isst mit Sündern, trinkt mit Ganoven, tanzt mit Dirnen, wendet sich Kranken zu … und sagt ihnen allen, dass Gott einen Platz für sie hat, dass sie „Vater“ sagen dürfen, aufrechten Gangs.
Das Wesentliche scheint die Fähigkeit zu sein, mein Sagen und Tun zu reflektieren und meine Interesse und Bedürfnisse mit denen anderer und mit seinem Nutzen abzugleichen. Also üben wir am besten weiter, „ja“ zu sagen und „nein“ ( „ja“ zu hören und „nein“) und das dem einzelnen und einer Gemeinschaft gegenüber … Beides kann dazu dienen, für den Weinberg Sorge zu tragen!

Ida Lamp

(aus: Botschaft heute, Aachen 2026)