"Zum Sonntag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor.
Sonntag, 15.3.2026 - 4. Fastensonntag - A
In jener Zeit
1sah Jesus unterwegs einen Mann,
der seit seiner Geburt blind war.
6Jesus spuckte auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen
7und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schilóach!
Das heißt übersetzt: der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam,
konnte er sehen.
8Die Nachbarn
und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten,
sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
9Einige sagten: Er ist es.
Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte:
Ich bin es.
13Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war,
zu den Pharisäern.
14Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht
und ihm die Augen geöffnet hatte.
15Die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Er antwortete ihnen:
Er legte mir einen Teig auf die Augen
und ich wusch mich
und jetzt sehe ich.
16Einige der Pharisäer sagten:
Dieser Mensch ist nicht von Gott,
weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
17Da fragten sie den Blinden noch einmal:
Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann sagte:
Er ist ein Prophet.
34Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.
35Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf,
sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
36Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr,
damit ich an ihn glaube?
37Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen;
er, der mit dir redet, ist es.
38Er aber sagte: Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder.
(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott
Herr,
manchmal sehe ich so vieles – und doch das Wesentliche nicht.
Ich schaue auf Zahlen, auf Pläne, auf das, was gelingt – und verliere aus dem Blick, was wirklich zählt.
Ich bitte dich: Mach mein Herz wieder sehend. Für das Kleine, das unscheinbar gut ist. Für den Menschen neben mir, der Liebe braucht und Zuwendung.
Für das Schöne, das leise geschieht,
und das ich so leicht übersehe.
Lass mich erkennen, wo Wahrheit wohnt – nicht laut, aber tragend.
Nicht blendend, aber klar.
Öffne mir die Augen des Herzens,
dass ich unterscheiden kann,
was bleibt, und was vergeht.
Was heilt, und was verletzt.
Was du in mein Leben legst,
damit ich daraus leben kann.
Herr,
nimm mir die Blindheit,
die Angst, die mich eng macht,
den Stolz, der mich trübt,
die Unruhe, die mich treibt.
Schenke mir dein Licht –
nicht grell, sondern warm.
Nicht von außen,
sondern von innen.
Mach mich sehend
für die Wahrheit, die trägt,
für die Liebe, die bleibt,
für das Leben, das du mir schenkst.
Amen.
Thomas Diener
(aus: Botschaft heute, Aachen 2026)