Rastplatz (Martin Manigatterer, pfarrbriefservice.de) (c) M. Manigatterer in: Pfarrbriefservice.de

Impuls zum Sonntag

Rastplatz (Martin Manigatterer, pfarrbriefservice.de)
Datum:
Sa. 10. Okt. 2026
Von:
Harald Brouwers, Pastoralreferent

"Zum Sonntag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor. 

Sonntag, 11.10.2026 - 28. Sonntag im Jahreskreis - A

 

Evangelium Mt 22, 1–14

In jener Zeit
1erzählte Jesus den Hohepriestern
und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
2Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem König,
der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
3Er schickte seine Diener,
um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen.
Sie aber wollten nicht kommen.
4Da schickte er noch einmal Diener
und trug ihnen auf:
Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig,
meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet,
alles ist bereit.
Kommt zur Hochzeit!
5Sie aber kümmerten sich nicht darum,
sondern der eine ging auf seinen Acker,
der andere in seinen Laden,
6wieder andere fielen über seine Diener her,
misshandelten sie
und brachten sie um.
7Da wurde der König zornig;
er schickte sein Heer,
ließ die Mörder töten
und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
8Dann sagte er zu seinen Dienern:
Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet,
aber die Gäste waren nicht würdig.
9Geht also an die Kreuzungen der Straßen
und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
10Die Diener gingen auf die Straßen hinaus
und holten alle zusammen, die sie trafen,
Böse und Gute,
und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
11Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen,
bemerkte er unter ihnen einen Menschen,
der kein Hochzeitsgewand anhatte.
12Er sagte zu ihm:
Freund,
wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen?
Der aber blieb stumm.
13Da befahl der König seinen Dienern:
Bindet ihm Hände und Füße
und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis!
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
14Denn viele sind gerufen,
wenige aber auserwählt.

(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott)

 

Wir sind eingeladen. Alle. Bedingungslos.

„Darauf wusste der Mann nichts zu sagen.“ Ich komme ins Schwitzen, wenn ich das lese im Gleichnis vom Mann ohne Hochzeitsgewand. Gefragt, warum er zum Hochzeitsmahl ohne Hochzeitsgewand erscheint, bleibt er stumm. Manche Exegeten meinen, er ist der Bräutigam selbst, der seine eigene Hochzeit verpennt. Aber auch wenn er ein schlichter Gast ohne Hochzeitsgewand wäre, der einzige, wie es scheint: Warum schweigt er? Ist er verstockt? Oder verstummt, wie eine andere Übersetzung lautet? Verkennt er den Ernst der Lage? Ist er dumm oder überheblich? Schmerzt ihn die Selbsterkenntnis?
Die Situation: Er ist vom König eingeladen zum Hochzeitsmahl. Die Einladung ist bedingungslos erfolgt an alle. Wenn ich ihr folge, dann bitte schön, dem Anlass entsprechend passend gekleidet. Niemand, der Borussia-Fan ist, würde in Fanfarben im HSV-Block erscheinen. Und niemand, der wirklich dazugehören mag, kommt ohne passende Attribute in den eigenen Fanblock.
Der Mensch im Gleichnis des Matthäus versäumt nicht nur, passend gekleidet zu sein, sondern meint, ohne etwas zu sagen, aus der Nummer rauskommen und weiter feiern zu können. Aber er wird kurzerhand rausgeschmissen.
Wenn wir spekulieren, ob er zu arm war für ein neues Festgewand, ob er es vielleicht für überflüssig ansah usw. sind wir auf der falschen Fährte. Wir müssen davon ausgehen, dass es nicht darum geht, dass nur ein einziger aus allen Eingeladenen so herausfällt. Wir sollen uns mit ihm identifizieren. Wir sind eingeladen. Alle. Bedingungslos. Und jetzt, was machen wir jetzt? Ergreifen wir die Chance oder verpassen wir sie? Und wenn wir sie tatsächlich verpassen, verpassen wir sie ein zweites Mal, indem wir nichts dazu zu sagen haben? Und wenn das dann womöglich tatsächlich so ist, begreifen wir, dass der Erzähler des Gleichnisses, der wenig später am Kreuz stirbt, auch, wie es das Glaubensbekenntnis bekennt, „hinabsteigt in das Reich des Todes“, um uns auch dort abzuholen?
Gnade ist kein Automatismus und keine Einbahnstraße. Sie braucht eine individuelle, angemessene Antwort. Im Bild der Hochzeit: das Hochzeitsgewand. Im Bild des Schuldenerlasses: meinen Schuldenerlass an die, die mir etwas schuldig sind. Nein, dabei geht es nicht um Leistung, sondern um eine Haltung, die sich im Wort des Hauptmanns von Kafarnaum wiederfindet: „Sprich nur ein Wort und mein Diener wird gesund.“ In der Sprache unserer Liturgie: “Sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.“

Ida Lamp

(aus: Botschaft heute, Aachen 2023)