"Zum Sonntag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor.
Sonntag, 29.3.2026 - Palmsonntag - A
1Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte
und nach Bétfage am Ölberg kam,
schickte er zwei Jünger aus
2und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt;
dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden
und ein Fohlen bei ihr.
Bindet sie los und bringt sie zu mir!
3Und wenn euch jemand zur Rede stellt,
dann sagt: Der Herr braucht sie,
er lässt sie aber bald zurückbringen.
4Das ist geschehen,
damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist:
5Sagt der Tochter Zion:
Siehe, dein König kommt zu dir.
Er ist sanftmütig
und er reitet auf einer Eselin
und auf einem Fohlen,
dem Jungen eines Lasttiers.
6Die Jünger gingen
und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte.
7Sie brachten die Eselin und das Fohlen,
legten ihre Kleider auf sie
und er setzte sich darauf.
8Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus,
andere schnitten Zweige von den Bäumen
und streuten sie auf den Weg.
9Die Leute aber, die vor ihm hergingen
und die ihm nachfolgten, riefen:
Hosanna dem Sohn Davids!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe!
10Als er in Jerusalem einzog,
erbebte die ganze Stadt
und man fragte: Wer ist dieser?
11Die Leute sagten:
Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.
(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott
Ich höre es an diesem Tag immer besonders laut: Bereitet den Blendern und Verführern, den Diktatoren und Reichen nicht den Weg. Streut ihnen keine Palmen. Selbst wenn sie Esel oder Kinder vorschicken: Glaubt ihnen ihre hehren Absichten nicht. Gebt ihnen keinen Raum.
Und ich höre: Vertrau nicht denen, die dir zujubeln, dich aufs Podest setzen, dich über die Maßen loben. Sie werden ebenso deinen Fall bejubeln, wenn sie sich keinen Vorteil mehr von dir versprechen oder wenn deine Kritiker mächtig sind.
Es befremdet mich immer, dass Jesus in Jerusalem einzieht. Und dass er den Jubel und die Ehrerweisungen der Jünger und der Pilger und Einwohner von Jerusalem einfach so hinnimmt. Selbst wenn er auf einem Esel* reitet, ist das doch eine solche Demonstration von Macht, die da geschildert wird.
(Das ist übrigens eine neuzeitliche Wahrnehmung: Wir rechnen halt mit einem stattlichen Pferd oder vielen Pferdestärken oder gar Raketen, um Stärke und Macht, Geld und Abnsehen zu demonstrieren. Der Esel war neben dem Rind das wichtigste Last-, Reit- und Arbeitstier in Israel, auf dem selbst Könige ritten.)
Wie oft haben wir schon solche Bilder gesehen – der Jubel der Menge wirkt so schnell geistlos. Und dann wird der Inhalt des Jubels völlig austauschbar. Er verliert seine individuelle Aussage, die es braucht, um authentisch, ehrlich, gerecht und nachhaltig zu sein.
Klar, es sind Erzählmotive, die die Evangelien aufgreifen, um zu sagen, wer Jesus ist. Aber auf keinen Fall ist er der, der mit den Machtphantasien von Menschen spielt, die in ihrem triumphalen Führer sich selbst ermächtigt fühlen zur Unterdrückung und Machtausübung. Er ist nicht der, der den Wahnsinn der Massen nutzt, um sich selbst zu ermächtigen zu einem Führer.
Jesus ist vielmehr für mich der, der mich vorsichtig sein lässt: Ich soll nicht hirnlos Mächtigen folgen und niemand soll Macht über mich ausüben als allein Gott.
Was für ein Fest ist das!
Ida Lamp
(aus: Botschaft heute, Aachen 2026)