"Zum Sonntag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor.
Sonntag, 11.1.2026 - Taufe des Herrn - A
In jener Zeit
13kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes,
um sich von ihm taufen zu lassen.
14Johannes aber wollte es nicht zulassen
und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden
und du kommst zu mir?
15Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu!
Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.
Da gab Johannes nach.
16Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf.
Und siehe, da öffnete sich der Himmel
und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
17Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Dieser ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.
(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott
Als Kind in eine Pfütze zu springen, es zu genießen, wenn das Wasser hochspritzt und gleichzeitig zu ahnen, dass die Eltern das nicht so toll finden, und prompt dies auch von den Eltern bestätigt zu bekommen, finden Kinder auch heute noch interessant, und es motiviert so manches Kind, sein Springen in der Pfütze als starken Ausdruck des eigenen Willens zu deuten.
Wasser hat Anziehungskraft, Wasser schreckt aber auch ab. Wasser ist, unabhängig von der Menge, den Litern, in der Kulturgeschichte der Menschheit von großer Bedeutung. Die Überschwemmungen der Ufer des Nils in der Antike brachten Reichtum. Da Moses das Rote Meer teilte, so die Überlieferung, gelang den Israeliten die Flucht vor den Ägyptern. Jesus rettete eine Hochzeitsfeier, indem er Wasser in Wein wandelte.
Die Weiterentwicklung der Staudammtechnik ermöglichtn auch heute weltweit Wasserreservoire. Die Hochwasser der Ahr haben Existenzen zerstört. Klimawandelbedingt steigende Meeresspiegel lassen im Pazifik Inseln untergehen. Wasserkraft erleichtert das Handwerk und treibt auch heute noch Turbinen an.
Einen kühlen Schluck Wasser in der Hitze wissen wir alle zu schätzen. Und wenn wir schon einmal bei uns selbst sind: der erwachsene Mensch besteht. zu ca. 50 bis 65 Prozent aus Wasser. Wasser, soweit das Auge reicht. Darüber hinaus hat Wasser auch eine symbolische Bedeutung: Von den ersten Seiten der Heiligen Schrift, die von der Schöpfung erzählen, bis hin zur Offenbarung des Johannes am Ende der Bibel symbolisiert Wasser Leben, Erneuerung und Reinigung.
In der Taufe mit Wasser wird der Täufling gereinigt von der ererbten Schuld und ist so erneuert in Christus, neu geschaffen für das unzerbrechliche Leben in Gott.
Das Weihwasserbecken in der Kirche erinnert uns an unsere eigene Taufe. Wenn die Gemeinde am Beginn des Gottesdienstes (mit Hilfe eines Aspergills) mit Weihwasser besprengt wird, dann erinnert das die Getauften an ihre Gemeinde, ihr Gemeinschaft-Sein.
Erinnerung ist aber nicht nur Rückblick auf die eigene Taufe, sondern auch der Ausblick, was es bedeutet, als Gemeinde Christi unterwegs zu sein. So können wenige Wassertropfen uns immer wieder neu nachdenklich werden lassen über die aktuellen Konsequenzen unseres Christsein. Gleichzeitig aber stärken sie unser Bewusstsein, in der Tradition Jesu und der ersten Christinnen und Christen zu stehen. Die Regelmäßigkeit dieser Erinnerung und deren Wirkung greift vielleicht folgende Redewendung auf: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“
Christoph Stender
(aus: Botschaft heute, Aachen 2025)