"Zum Sonntag" stellt das aktuelle Tagesevangelium mit einem zum Nachdenken anregenden Text vor.
Sonntag, 23.8.2026 - 21. Sonntag im Jahreskreis - A
In jener Zeit,
13als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam,
fragte er seine Jünger und sprach:
Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
14Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer,
andere für Elíja,
wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.
15Da sagte er zu ihnen: Ihr aber,
für wen haltet ihr mich?
16Simon Petrus antwortete und sprach:
Du bist der Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes!
17Jesus antwortete und sagte zu ihm:
Selig bist du, Simon Barjóna;
denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
sondern mein Vater im Himmel.
18Ich aber sage dir:
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben;
was du auf Erden binden wirst,
das wird im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst,
das wird im Himmel gelöst sein.
20Dann befahl er den Jüngern,
niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.
(aus: https://www.erzabtei-beuron.de/schott)
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste …?“ So fragt die Königin im Märchen „Schneewittchen“. Ihr wird die Antwort im wahrsten Sinne des Wortes gespiegelt, aber sie hat zudem sicher auch Menschen, die sie darin bestärken, wunderschön zu sein. Wir alle wollen wissen, wie andere uns finden, was sie von uns halten. Wir brauchen die Bestätigung, müssen wissen, wie andere zu uns stehen, was sie über uns denken, um unser eigenes Wissen um uns, unser Selbst-Bewusstsein zu entwickeln. Weil alles im Leben Wandlungen unterliegt, ist das ein andauernder Prozess.
Das Selbstbewusstsein Jesu speist sich zutiefst aus der Gotteszusage: „Du bist mein geliebter Sohn.“ Jesu Frage „Für wen halten die Menschen mich?“ zielt auf das Selbstbewusstsein der Angesprochenen: „Was macht es mit euch, was andere über mich denken? Und: Habt ihr eine eigene Position?“ Die Frage braucht die Gegenfrage im Herzen: Wer bist du – für mich?, die jeder selbst und jeder immer neu beantworten muss. In der Antwort erkennt der Sprechende seine eigene Identität.
Im Spiegel mag ich mich als schön oder hässlich sehen. Nur der Freund kann mir sagen: Du bist Petrus. Du bist Ina … Ich werde, was mir da zugesagt wird: Ich bin Ina.
Das Bekenntnis des Petrus ist gültig – muss aber immer wieder erneuert werden im Auf und Ab des Lebens. Das gilt für Petrus und gilt für mich. Ob ich Petrus, Bettina, Jan, Ina bin, muss sich in meinem Leben zeigen. Ich lese als eine Facette dieses Evangeliums, dass es vor Gott darum geht, ein Unikum zu sein!
Ida Lamp
(aus: Botschaft heute, Aachen 2026)